Zwei von insgesamt sechs durch die EU geförderte Elektrobusse starten in den nächsten Tagen im Bonner Busliniennetz in den Testbetrieb. Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Heinz Jürgen Reining, Geschäftsführer der SWB-Nahverkehrsgesellschaft SWB Bus und Bahn, gaben damit den Startschuss für das von der Europäischen Union geförderte Demonstrationsprojekt ZeEUS (Zero Emission Urban Bus Systems), in dem in zehn europäischen Städten Einsatztauglichkeit und Wirtschaftlichkeit von Elektrobussen im Vergleich zu Dieselbussen untersucht werden.

Foto: Martin Magunia fuer SWB Bonn
Foto: Martin Magunia fuer SWB Bonn

„Nach dem Klimagipfel in Paris gibt Bonn als Sitz des Klimasekretariats der Vereinten Nationen damit ein gutes Signal für den lokalen Klimaschutz“, sagt Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Neben dem Klimaschutzaspekt korrespondiert der Einsatz von Elektrofahrzeugen auch mit weiteren städtischen Zielen, wie dem Bonner Luftreinhalteplan und den Maßnahmen zur Lärmminimierung in der Stadt.

OB Sridharan: Gutes Signal für den lokalen Klimaschutz
Sridharan: „Gleich mehrere Argumente sprechen für den Einsatz von Elektrofahrzeugen. Sie sind leise, sie rollen schadstofffrei und klimaneutral, weil sie mit reinem zertifiziertem Naturstrom der Stadtwerke Bonn angetrieben werden. Ich hoffe deshalb, dass die sechs neuen Bonner Elektrobusse nun in dem Projekt auch die Wirtschaftlichkeit und Einsatztauglichkeit unter Beweis stellen und die weitere Umstellung der Busflotte gelingt.“

Die Stadtwerke Bonn hatten Ende 2013 den Zuschlag zur Teilnah me an dem Förderprojekt mit sechs Bussen erhalten. Nach einer europaweiten Ausschreibung erhielt der Hersteller Sileo in Salzgitter den Auftrag zur Lieferung der Fahrzeuge. „Wir haben in den vergangenen Jahren bereits fünf Busse verschiedener Hersteller in Bonn getestet und viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. Jetzt haben wir erstmals E-Busse gekauft, und hoffen, dass sie die technischen Anforderungen dauerhaft erfüllen und bei unseren Fahrgästen gut ankommen“, so Heinz Jürgen Reining, Geschäftsführer von SWB Bus und Bahn.

Seit Jahren befassen sich die Stadtwerke Bonn intensiv mit dem Thema Elektromobilität und dem Einsatz von Elektrobussen im Bonner Nahverkehr. 2013 hatte das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme in einer Machbarkeitsstudie bestätigt, dass nach dem Stand der Technik das gesamte Bonner Busliniennetz mit Ausnahme des Flughafenbusses für den Einsatz von Elektrobussen geeignet ist und eine Umstellung im gesamten Liniennetz bi s etwa 2030 technisch möglich wäre. Im Gegensatz zu den Betriebskonzepten in vielen anderen Nahverkehrsunternehmen wird in Bonn auf die Zwischenladung der Batterien im Streckennetz verzichtet.

Die Anschaffung von Elektrobussen wird jedoch derzeit noch erschwert durch die höheren Anschaffungskosten im Vergleich zu herkömmlichen Dieselfahrzeugen. „Mit der finanziellen Förderung im Projekt ZeEUS wurde die Entscheidung für den Kauf von Elektrobussen wesentlich erleichtert“, erklärt Heinz Jürgen Reining. „Die Industrie benötigt nun Impulse für die Produktion höherer Stückzahlen, damit die Kosten pro Fahrzeug für die Verkehrsunternehmen deutlich sinken und Kommunen sich die Umstellung ihrer Busflotten leisten können. Förderprojekte wie dieses sind dabei sehr hilfreich“, so Reining.

Am EU-Demonstrationsprojekt ZeEUS, das vom Internationalen Verband für öffentliches Verkehrswesen (UITP) in Brüssel gesteuert wird, nehmen neben Bonn neun weitere europäis che Städte teil: Stockholm, London, Paris, Münster, Pilsen, Warschau, Barcelona, Ranstad und Cagliari. Außerdem sind weitere 40 Partner beteiligt, darunter das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme. Die EU fördert das Projekt mit 13,5 Millionen Euro. Mehr als 500.000 Euro davon fließen nach Bonn.

In dem Projekt werden bis 2017 Erkenntnisse gesammelt über die Einsatztauglichkeit und Wirtschaftlichkeit von Elektrobussen im direkten Vergleich zu Dieselbussen, aber auch „weiche Faktoren“, wie die Kundenzufriedenheit, Komfort und Zuverlässigkeit fließen in die Wertung ein.

Der Bonner Elektrobus ist ein 12-Meter-Standardbus und bietet Raum für 80 Personen. Vor dem ersten Linieneinsatz mit Fahrgästen werden nun die Fahrerinnen und Fahrer auf den neuen Fahrzeugen geschult und die neu installierte Ladetechnik erprobt. Anschließend werden dann alle sechs Elektrobusse auf Dauer im Bonner Busliniennetz eingesetzt.

Daten und Fakten zu den Fahrzeugen
Eingesetzt werden Busse des Typs Sileo S12, Kapazität: 38 Sitzplätze (inkl. Fahrer), 42 Stehplätze, nutzbare Ladekapazität der Batterie: 230 Kilowattstunden, Reichweite: mehr als 200 Kilometer. Höchstgeschwindigkeit: 75 km/h. Elektroantrieb: zwei 85 kW radnahe Motoren in der Hinterachse.

CO2-freier Antrieb mit BonnNatur Strom
Das Testfahrzeug wird in Bonn mit dem SWB-Ökostromprodukt BonnNatur Strom angetrieben. Das Produkt trägt das von den Umweltverbänden vergebene Gütesiegel „Grüner Strom“ und besteht zu 100 Prozent aus regenerativen Energien. Damit werden die sechs neuen Busse in Bonn CO2-neutral angetrieben.

Elektromobilität in Bonn
Die Stadt Bonn sieht in der Elektromobilität eine Zukunftstechnologie. Unter der notwendigen Voraussetzung, dass der Strom für den Antrieb von Elektrofahrzeugen ausschließlich aus erneuerbaren Energien stammt, kann die Elektromobilität einen wirksamen Beitrag zum K limaschutz leisten. Zudem reduzieren Elektrofahrzeuge die Lärmbelastung und den Schadstoffausstoß. Bei der Stadt Bonn und den städtischen Gesellschaften werden deshalb zunehmend Elektrofahrzeuge in den Fuhrpark integriert. SWB Energie und Wasser betreibt im Bonner Stadtgebiet fünf E-Ladestationen und fördert die Anschaffung von Elektrofahrzeugen. Im August 2012 haben zudem die Stadt Bonn, der Rhein-Sieg-Kreis und die Energieversorger der Region (darunter SWB Energie und Wasser) eine Vereinbarung geschlossen, um gemeinsam Projekte zu entwickeln, den Energiebedarf für die Elektrofahrzeuge mit grünem Strom aus der Region abzudecken. Seit 2012 findet außerdem jährlich kommunenübergreifend der „Tag der Elektromobilität“ statt, bei dem Elektromobilität für die Bürgerinnen und Bürger in der Region erlebbar und erfahrbar gemacht wird. (ws)